Literatur

Die wichtigsten Schulen (Ryu) des Japanischen Bogenschießen, die auch heute noch existieren, sind die Heki Ryu, die Ogasawara Ryu und die Honda Ryu. Innerhalb der Schulen gibt es dann auch oft noch unterschiedliche Lehrrichtungen (Ha), die von den Lehrern an die Schüler weitergegeben werden. Ein Übersicht über eine Reihe von Schulen ist z.B. in der Literatur [Hoff] gegeben.

Heki Ryu
Die Heki Schule geht zurück auf Heki Danjo Masatsugu (ca. 1442-1500). Aus dieser bildete sich die Lehrrichtung Heki Ryu Insai Ha (ca. seit 1570). Das Insai beruht auf dem Mönchsnamen Insai, den Yoshida Genpachivo Shigeuji nach seinen Eintritt ins Kloster annahm. Prof. Genshiro Inagaki (1911-1995) war Meister der Heki Ryu Insai Ha. Nachdem er ab 1969 auch in Deutschalnd wirkte und für den Aufbau von Kyudo Gruppen sorgte, sind auch heute noch die meisten Kyudoka in Deutschland (ca. 90% der Mitglieder des DKyuB) dieser Schule zuzurechnen. Die Heki Schule lässt auch heute noch erkennen, dass ihre Wurzeln stark im Kriegsschießen liegen, so dass Treffsicherheit und Durchschlagskraft wichtige Ziele sind.

Ogasawara Ryu
Die Ogasawara Schule geht auf Ogasawara Jiro Nagakiyo (1162-1242) zurück und beinhaltete als wesentliches Element das förmliche Schießen zu Zeremonien und am Kaiserhof, das schon seit dem 7.Jh. existierte. Ein erkennbarer Unterschied in den Hassetsu ist das Heben des Bogens vor der Körpermitte (Shomen Stil, Shomen Uchiokoshi) im Gegensatz zum seitlichen Heben des Bogens (Shamen Stil), wie es in der Heki Ryu gepflegt wird. Der Bezug zum klassischen Zeremonienschießen zeigt sich auch heute noch im Training in der meist stärkeren Betonung der Sharei als in der Heki Schule.

Honda Ryu
Die Honda Schule (ab ca. 1900) geht auf Honda Toshizane zurück und ähnelt der Ogasawara Ryu.

ANKF
Die Honda Schule beeinflusste maßgeblich den Shomen Stil, wie er 1953 im Manual der Zen Nihon Kyudo Renmei beschrieben wurde. Die Zen Nihon Kyudo Renmei war 1949 gegründet und später in All Nippon Kyudo Federation (ANKF) umbenannt worden. Der in Deutschland angewendete Shomen Stil beruht auf dem im obigen Manual beschriebenen Stil in der jeweils aktuellen Fassung (siehe Literaturhinweis
Kyudo Manual Vol. I).

Vergleich Heki Ryu und Shomen Stil
Die unterschiedliche Art, wie der Bogen angehoben und gespannt wird (Shomen oder Shamen) ist innerhalb der Hassetsu der augenfälligste Unterschied. Es wurde oben auch schon erwähnt, dass die Heki Ryu mehr auf dem Kriegsschießen als ursprüngliche Wurzel beruht, der Shomen Stil mehr auf dem Zeremonienschießen. Dies zeigt sich auch in den Sharei, die in beiden Schulen gepflegt werden. Diese haben neben recht ähnlichen und auch meistens verwendeten vereinheitlichten Formen im Taihai für Prüfungen und Wettkampf auch schulenspezifische Sharei. In der Heki Schule gibt es dabei nicht nur das Schießen im breiten Stand, sondern auch im Kniestand, wie es im Krieg von Samurai zu Fuß häufig verwendet wurde. Im Shomen Stil wird z. B. auch förmliches Schießen gepflegt, bei dem der Schütze von zwei Assistenten unterstützt wird.

Wichtig ist es jedoch, dass beide Stilrichtungen im Inneren dem gleichen Ziel folgen, nur ihr Weg, in äusserlicher Form, verschieden ist. Inwiefern in einer Gruppe die Ausprägungen des Stils zum Tragen kommen hängt zudem stark vom Lehrer ab.

In Deutschland verwenden ca. 90% der Kyudoka den Shamen-Stil nach der Heki Ryu Insai Ha, und ca. 10% den Schomen-Stil. Im übrigen Europa und auch weltweit ist dagegen der Shomen-Stil weitaus stärker verteten.
 

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